JKA Cologne · 審査

Prüferrichtlinien

Leitfaden zur Beurteilung von Kandidaten bei Kyu- und Dan-Prüfungen. Richtlinie für Prüfer und zu Prüfende.

Was dieser Leitfaden ist

1. Einleitung

Dieser Leitfaden beschreibt, worauf Prüfer der JKA bei Kyu- und Dan-Prüfungen achten sollen. Er unterstützt eine einheitliche, faire und wohlüberlegte Beurteilung durch alle Prüfungskommissionen.

Zentraler Grundsatz

Bei JKA-Prüfungen zählt nicht allein die Zahl erlernter Techniken, sondern vor allem die Entwicklung ihrer Qualität. Ein Kandidat entwickelt sich nicht einfach dadurch weiter, dass er zusätzliche Techniken beherrscht. Mit jeder Graduierung sollte eine wirkliche Veränderung in Bewegung, Verständnis und Verhalten sichtbar werden.

Prüfer beurteilen: technische Ausführung, Verständnis, Haltung, Disziplin, Kampfgeist, Kontrolle und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung.

Kyu-Grade

„Kennst und beherrschst du die Technik?“

Dan-Grade

„Verstehst du die Technik – und kannst du Karate-Do leben?“

Persönlicher Hinweis von JKA Cologne: Individuelle Entwicklung

Jeder Prüfling sollte unter Berücksichtigung seiner individuellen körperlichen und geistigen Voraussetzungen beurteilt und auf die Prüfung vorbereitet werden. Ein sechsjähriges Kind verfügt naturgemäß noch nicht über die Konzentrationsfähigkeit eines 17-Jährigen. Ebenso kann von einem 60-jährigen Karateka nicht grundsätzlich dieselbe körperliche Leistungsfähigkeit erwartet werden wie von einem 30-Jährigen.

Auch Beweglichkeit und Dehnfähigkeit sind individuell verschieden. Manche Menschen erreichen selbst bei regelmäßig, intensivem Training nur ein bestimmtes Maß an Flexibilität. Prüfer und insbesondere die vorbereitenden Trainer sollten diese Unterschiede aufmerksam berücksichtigen.

Dies bedeutet ausdrücklich keine Abschwächung der JKA-Prüfungsstandards. Ziel ist vielmehr, jeden Karateka schrittweise an seine eigenen Möglichkeiten und Grenzen heranzuführen und seine persönliche Weiterentwicklung konsequent zu fördern.

Der Maßstab bleibt anspruchsvoll – der Weg dorthin berücksichtigt den einzelnen Menschen.

Verwendete Fachbegriffe

Kihon : Grundschule · Kata : Formen · Kumite : Partnerkampf · Kime : fokussierter, entschlossener Technikabschluss · Zanshin : anhaltende Wachsamkeit · Rei : Respekt und Etikette · Maai : Distanz · Bunkai : Anwendung · Karate-Do : der Weg des Karate.

Der ganze Mensch

2. Beobachtung der Prüfungskandidaten

Prüfer betrachten den ganzen Menschen – nicht nur, welche Techniken ausgeführt werden, sondern wie dies geschieht und wie sich der Kandidat während der gesamten Prüfung verhält.

1. Haltung und Körperausrichtung

Körperhaltung, Gleichgewicht, Stände und Ausrichtung müssen sowohl in der Bewegung als auch im Stillstand stimmen.

2. Hüfte und gesamter Körper

Korrekte Hüftarbeit, Koordination des gesamten Körpers und ein erkennbarer Zusammenhang von Technik und Bewegung.

3. Timing und Kime

Timing, Rhythmus, Distanz, Konzentration und ein klarer, entschlossener Abschluss jeder Technik.

4. Kontrolle und Sicherheit

Kontrollierter, sicherer Krafteinsatz, passend zur Situation und zum Partner.

5. Kampfgeist und Etikette

Entschlossenheit, Selbstvertrauen, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und natürliches Rei – nicht bloß zur Schau gestellt.

6. Reaktion unter Druck

Verhalten bei Korrekturen, Druck, Fehlern und unerwarteten Situationen.

7. Verständnis der Anwendung

Der Kandidat soll den Zweck der Technik verstehen, statt nur Bewegungen auswendig wiederzugeben.

8. Verhalten während der gesamten Prüfung

Verhalten vor, während und nach der Prüfung – auch beim Warten und während andere geprüft werden.

Merksatz: Vom ersten bis zum letzten Rei beobachten. Der Charakter eines Kandidaten zeigt sich häufig gerade zwischen den Techniken.

Shoshin · Tanren · Kakugo

3. Kyu-Grade: Das Fundament schaffen

3.1 Vom 9. bis zum 7. Kyu – Shoshin (Anfängergeist)

Schwerpunkt: Richtige Haltung, Gleichgewicht und grundlegende Disziplin entwickeln.

Prüfer achten auf Aufrichtigkeit, Einsatz, Lernbereitschaft, Respekt und eine tragfähige technische Grundlage. Kandidaten sollen keine Angst vor Fehlern haben, sondern ehrliche Bemühung und die richtige Lernhaltung zeigen.

  • Korrektes Rei beim Betreten, vor und nach jedem Prüfungsteil sowie beim Verlassen.
  • Aufmerksam zuhören und unverzüglich auf Anweisungen des Prüfers reagieren.
  • Jede Technik engagiert ausführen, auch wenn sie noch nicht präzise ist.
  • Aufrechte Haltung und Gleichgewicht in den Grundstellungen; nach Fehlern ruhig weitermachen.
  • Positive Lernbereitschaft von Anfang bis Ende.

3.2 Vom 6. bis zum 4. Kyu – Tanren (Schulung und Festigung)

Schwerpunkt: Kräftigere, stabilere Bewegung, besserer Einsatz von Hüfte und Körper, sauberere Technik.

Die Kraft soll zunehmend aus dem gesamten Körper entstehen und nicht nur aus den Armen. Kontrolle, Rhythmus und Konzentration müssen sich erkennbar verbessern.

  • Sichtbare Hüftrotation als Antrieb für Abwehr- und Angriffstechniken statt reiner Armbewegung.
  • Stabile Stände, die beim Gehen und Drehen ihre Form behalten.
  • Koordinierte Abwehr und Gegenangriff ohne unnötige Verzögerung.
  • Mit der Technik verbundene Atmung; verbessertes Timing, Rhythmus und klareres Kime.
  • Zunehmende technische Sicherheit mit weniger Zögern und Abhängigkeit von Hinweisen.

3.3 Vom 3. bis zum 1. Kyu – Kakugo (Entschlossenheit)

Stufe unmittelbar vor dem Schwarzgurt: Die Anforderungen steigen deutlich. Die Ausführung soll präzise, kraftvoll, selbstbewusst und ohne Zögern sein.

Erwartet werden Zanshin, ausgeprägter Kampfgeist und Verständnis der Anwendung.

Maßstab für den 1. Kyu: „Ein Kandidat zum 1. Kyu muss sich bereits wie ein Shodan verhalten und bewegen.“

  • Gefasstes Auftreten vom ersten Rei an; Nervosität darf die Technik nicht beeinträchtigen.
  • Jede Technik hat eine klare Absicht und einen erkennbaren Zweck.
  • Zanshin nach jeder Technik und am Ende jeder Kata.
  • Saubere Übergänge zwischen Ständen und Techniken ohne unnötige Bewegungen.
  • Kontrollierte Entschlossenheit im Kumite: engagierte, aber beherrschte Angriffe.
  • Richtige Distanz (Maai) bei allen Partnerübungen.
  • Verständnis der Anwendung, sofern sie Bestandteil der Prüfung ist.
  • Bereitschaft zur Verantwortung; Verhalten, das bereits einem Schwarzgurt entspricht.

Hinweis: Zögern ist in dieser Phase selbst ein wichtiges Beobachtungsmerkmal. Wer abwartet, sich rückversichert oder wiederholt an sich zweifelt, zeigt noch nicht die vor dem Shodan erwartete Sicherheit.

Verständnis · Reife · Karate-Do

4. Dan-Grade: Von der Technik zum Charakter

Bei Dan-Graduierungen verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend von der reinen Technik auf den Charakter. Technische Standards bleiben unverzichtbar; zusätzlich zählen Verständnis, Reife und die gelebte Haltung des Karate-Do.

4.1 Shodan – Der Anfang

Erwartet wird eine solide technische Grundlage ohne schwerwiegende Fehler. Der Kandidat zeigt Kampfgeist, Kontrolle und die Bereitschaft, das eigentliche Lernen zu beginnen. Shodan ist der Anfang, nicht das Ende.

  • Zuverlässiges Kihon, auch unter Prüfungsbedingungen.
  • Korrekte, natürliche Etikette ohne Aufforderung.
  • Kontrolliertes Kumite mit entschlossener Technik, sicherem Kontakt und klarem Kime.
  • Aufrichtige Kata mit korrektem Rhythmus, Bewegungsrichtung und Zanshin.
  • Bereitschaft, im Dojo mehr Verantwortung zu übernehmen.

4.2 Nidan – Tiefe

Erwartet werden größere Präzision, Kraft und Reife. Die Ausführung muss Tiefe zeigen, nicht nur Bewegung. Im Kumite sollen Strategie, Timing, Initiative und Absicht erkennbar sein – kein wahlloses Angreifen. Der Kandidat soll außerdem jüngere oder weniger erfahrene Karateka anleiten können.

  • Taktisches Verständnis: erkennen, wann und wie ein Angriff sinnvoll ist.
  • Kontrollierter Einsatz und Initiative im richtigen Moment.
  • Technische Tiefe in der Kata: Rhythmus, Akzentuierung und Bedeutung statt bloßer Reihenfolge.
  • Reife unter Belastung: Ruhe bei Erschöpfung oder wenn eine Technik nicht trifft.
  • Führungsqualitäten: Anfänger und jüngere Karateka anleiten, unterstützen und Vorbild sein.

4.3 Sandan – Charakter und Haltung

Prüfer bewerten sowohl die Qualität des Karate als auch den Charakter des Kandidaten. Techniken sollen mühelos, präzise und ökonomisch wirken. Gefordert sind Ruhe unter Druck, hervorragende Distanzkontrolle und die Fähigkeit, den Gegner zu lesen. Haltung, Bescheidenheit und Beitrag zum Dojo sind ebenfalls zu berücksichtigen.

  • Urteilsvermögen im Kumite: den Gegner lesen und angemessen reagieren.
  • Ruhe und Gelassenheit unter Druck.
  • Eignung zum Unterrichten: verständliche Erklärung und überzeugende Demonstration.
  • Respektvolles Verhalten und Fähigkeit, das Dojo verantwortlich zu vertreten.

4.4 Yondan und höhere Dan-Grade – Tradition

Ab dieser Stufe ist die Prüfung nicht mehr nur eine technische Überprüfung.

Leitsatz: „Der Kandidat muss die höchsten Traditionen der JKA repräsentieren.“

  • Yondan: Der Kandidat soll ein wirklicher Lehrer und eine Führungspersönlichkeit sein. Seine Technik ist ausgereift und ökonomisch. Er versteht die JKA-Prinzipien tiefgehend und kann sie erklären.
  • Godan und darüber: Bewertet werden der lebenslange Beitrag, die Lehrfähigkeit, der Geist und die Verkörperung des Karate-Do. Die körperliche Leistungsfähigkeit muss weiterhin ausgezeichnet sein; ebenso sind Charakter, Führung und bleibender Einfluss zu beurteilen.
  • Mentorenschaft: Entwicklung von Schülern und Lehrern unter seiner Anleitung.
  • Beitrag zum Dojo und langfristiger Dienst am Karate-Do.
  • Technische Klarheit: JKA-Prinzipien einfach und richtig erklären.
  • Ethisches Verhalten und Bescheidenheit, die einer hohen Graduierung entsprechen – im Dojo und außerhalb.

Kyu fragen · Dan fragen

5. Die goldene Regel der JKA-Prüfung

Kyu-Grade

Kennst und beherrschst du die Technik?

Dan-Grade

Verstehst du die Technik – und kannst du Karate-Do leben?

„Im JKA-Karate genügt Kraft ohne Kontrolle nicht. Geschwindigkeit ohne Konzentration genügt nicht. Und selbst perfekte Technik genügt ohne Kampfgeist und Bescheidenheit nicht.“
  • – Kraft ohne Kontrolle ist unzureichend.
  • – Geschwindigkeit ohne Konzentration ist unzureichend.
  • – Technik ohne Kampfgeist und Bescheidenheit ist unzureichend.

18 Kriterien

6. Checkliste für Prüfer

Kandidat: _______________ · Dojo: _______________ · Angestrebte Graduierung: _______________ · Prüfer: _______________ · Datum: _______________ · Prüfungsort: _______________

Nr. / KriteriumErfülltEntwickelnNotizen
01 Etikette und Respekt[  ][  ]
02 Körperhaltung und Gleichgewicht[  ][  ]
03 Qualität der Stände[  ][  ]
04 Korrekte Technik[  ][  ]
05 Hüft- und Ganzkörperkoordination[  ][  ]
06 Kraft mit Kontrolle[  ][  ]
07 Geschwindigkeit mit Konzentration[  ][  ]
08 Kime und Technikabschluss[  ][  ]
09 Rhythmus und Timing[  ][  ]
10 Distanz und Wachsamkeit[  ][  ]
11 Verständnis der Kata[  ][  ]
12 Strategie und Initiative im Kumite[  ][  ]
13 Kampfgeist und Selbstvertrauen[  ][  ]
14 Ruhe unter Druck[  ][  ]
15 Bescheidenheit und Haltung[  ][  ]
16 Fähigkeit, Korrekturen anzunehmen[  ][  ]
17 Bereitschaft für die nächste Graduierung[  ][  ]
18 Führung und Beitrag zum Dojo (falls relevant)[  ][  ]

Positiv · Entwicklungsbedarf

7. Typische Beobachtungen von Prüfern

BereichPositive MerkmaleEntwicklungsbedarf
KihonStabile Stände, Ganzkörpereinsatz, klares Kime.Nur Armtechnik, instabile Stände, unvollendete Techniken.
KataRichtige Abfolge mit Rhythmus, Richtung, Bedeutung und Zanshin.Auswendig gelernte Folge ohne Rhythmus, Absicht oder Wachsamkeit.
KumiteEntschlossene, gut getimte Angriffe mit Kontrolle und korrekter Distanz.Wahllose Angriffe, schlechte Distanz, Zögern oder unkontrollierter Kontakt.
Hüfte / KörperHüfte initiiert und trägt die Technik; der Körper bewegt sich als Einheit.Starre oder verspätete Hüfte; Kraft entsteht nur aus den Armen.
KimePräzise, unmittelbare Fokussierung am Ende, anschließend Entspannung.Technik verliert sich oder der Körper bleibt durchgehend verspannt.
KampfgeistSelbstbewusste, aufrichtige Energie von Anfang bis Ende.Wenig Energie; nach Fehlern sichtbar entmutigt.
KontrolleKraft sicher und der Situation angemessen eingesetzt.Übermäßiger Kontakt oder absichtsloses, zu frühes Abstoppen.
WachsamkeitZanshin bleibt erhalten; Aufmerksamkeit für Partner und Umgebung.Nach der Technik abschalten, zu früh entspannen oder wegschauen.
HaltungRespektvoll, bescheiden, offen für Korrekturen.Sichtbarer Ärger, Diskussionen oder Etikette als reine Formalität.
FührungLeitet Jüngere an, ist Vorbild und unterstützt das Dojo.Nur auf eigene Leistung fixiert; wenig Unterstützung anderer.

Diese Merkmale dienen der einheitlichen Beobachtung. Sie sind keine eigenständigen Bewertungspunkte. Die offiziellen JKAWF INDIA / JKA-Prüfungsordnungen und Prüferanweisungen haben Vorrang.

Prüfung ist auch Anleitung

8. Abschließende Hinweise für Prüfer

Eine Prüfung ist nicht nur Bewertung, sondern auch Anleitung. Jeder Kandidat, der sich einer Prüfung stellt, hat trainiert, sich vorbereitet und seine Bemühungen vor die Prüfungskommission gebracht. Die Entscheidung des Prüfers – und die Art, wie sie vermittelt wird – beeinflusst, wie dieser Karateka seinen Weg des Karate-Do fortsetzt.

Vier Aufgaben des Prüfers

Echte Fortschritte erkennen

Die tatsächliche qualitative Entwicklung des Kandidaten wahrnehmen.

JKA-Standards bewahren

Die Anforderungen gegenüber jedem Kandidaten fair und einheitlich anwenden.

Aufrichtige Bemühung würdigen

Ehrlichen Einsatz und die richtige Haltung auf jeder Graduierungsstufe wertschätzen.

Kandidaten in ihrer Entwicklung unterstützen

Sowohl die technische als auch die charakterliche Entwicklung fördern.

Eine mit Fairness, Aufmerksamkeit und Respekt durchgeführte Prüfung verkörpert die Werte, die sie beurteilen soll. Auf diese Weise lebt auch der Prüfer Karate-Do.

Prüferrichtlinien als PDF

Deutsche Bearbeitung auf Grundlage der JKAWF INDIA Examiner Guideline, Version 1.0 vom 20. Oktober 2026. Hinweis: Dieses Dokument dient der Orientierung. Die offiziellen JKA-Prüfungsordnungen und verbindlichen Prüferanweisungen haben stets Vorrang.